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Der moderne Chor aus der Südpfalz


MAYBEBOP meets choirs: Bericht der „ChorPfalz“03/2014

  Doppelkonzert mit Chören und Maybebob in Germersheim am 16. März 2014 Sechs Chöre des Kreis-Chorverbands Germersheim beendeten ein gemeinsames Chorprojekt am Sonntag in der Stadthalle mit einem fulminanten Doppelkonzert.   In einer ausverkauften Halle traten zuerst Sänger der Chöre „Choralle“ aus Berg, „Chorprojekt 007 – Mit der Lizenz zum Singen“ und „Vox Humana“ aus Jockgrim, „Rhythmix“ aus Hayna, „Musica Vita“ aus Neuburg und das südpfälzische Ensemble „6nach8„ zusammen auf. Danach begeisterte das A-cappella-Pop-Quartett „Maybebob“ mit Auszügen aus seinem aktuellen Programm „Weniger Sind Mehr“. Die beteiligten Chöre hatten sich seit September 2013 auf das Konzert vorbereitet. Jeder Chor übte während seiner Proben die Stücke ein, die dann am Sonntag gemeinsam als großer, Bühne füllender Chor, vorgetragen wurden. Alle sechs Chöre trafen sich nur zu zwei gemeinsamen Proben, die erste an einem ganzen Sonntag im Januar. Kurz vor dem großen Auftritt trafen sich die Sänger im Alter von 17 bis gut 60 Jahren noch einmal zur Generalprobe. Der Konzerttag selbst begann schon früh am Morgen, denn nach Germersheim waren nicht nur die pfälzischen Chöre angereist, sondern auch die vier Sänger von Maybebob. Wie bei einem ersten Projekt vor zwei Jahren, dessen Abschlusskonzert in Jockgrim war, nahmen sich die vier Profi-Sänger Zeit und gaben in kleineren Gruppen Unterricht in Stimmbildung. In vielen Gesprächen vor dem Konzert und in der Pause schwärmten die Mitglieder der sechs Chöre von den Stunden mit Maybebob und bedankten sich mit lebhaften Applaus bei den „Lehrern“ zu Beginn des Konzerts. Die tolle Atmosphäre, die bereits den ganzen Tag unter den Akteuren herrschte, sprang schnell auf das Publikum über, das nach dem Öffnen des Vorhangs überwältigt wurde von der Menge an Mitwirkenden in rot und schwarz auf der großen Bühne. Hans Hofmann, Vorsitzender des Kreis-Chorverbandes Germersheim, übernahm selbst die Moderation des ersten Konzertteiles. Locker stellte er die einzelnen Chöre mit ihren Chorleitern vor, erzählte Interessantes über die Geschichte der zum Teil sehr junge Chöre und machte neugierig auf die Lieder, die der Projektchor sang. Chorleiter Patrick Himpel von „Musica Vita“ aus Neuburg dirigierte die ersten beiden Stücke. „So soll es bleiben“ sangen die Frauen und Männer mit kräftiger Stimme, folgten dem Dirigenten präzise und mit einem Lachen im Gesicht. Bei „Nette Begegnung“ griffen die Akteure singend und schauspielernd eine alltägliche Situation auf, die so manchem im Saal durchaus bekannt vorkam. Himpel gehört, wie die beiden anderen Chorleiter, die an diesem Abend das Podest betraten, zu einer neuen Generation von Chorleitern. Ihr Engagement, ihre Lust an neuer, moderner Chorliteratur war seh- und spürbar. Sie hatten die Chöre fest im Blick und führten gestenreich und mit großer Leidenschaft die Sänger durch die anspruchsvollen Stücke. Julia Funk-Balzer dirigierte den deutschen Popsong „Himmel auf“, der einfach toll und siebenstimmig gesungen wurde. Als „Kernidee des Singens“ bezeichnete Hans Hofmann das Stück „Just sing it“, das von Florian Wetzel, dem Chorleiter von „RhythmiX“ aus Hayna geleitet wurde. Seine Gesten, nachdem der letzte Ton, verklungen war, zeigte: das war richtig toll. Wie eine Welle aus Klang, Tönen und Lauten schwang ein Lied von den Faroer-Inseln mit dem Titel Gota durch den Saal, es zauberte eine ganz eigene, fremde Atmosphäre. Das fetzige „Pressure down“ mit einer beinahe mittanzenden Julia Funk-Balzer setzte den viel zu frühen Schlusspunkt nach dem ersten Konzertteil. Dann betrat Maybebob die Bühne. Die vier Sänger sind Freunde, beherrschen ihre Kunst perfekt, sie sind einfach ein fesselndes Ereignis. Ganz modisch mit Frühlings-frischem Stil wirbelten sie in einem ersten Schnelldurchlauf über die Bühne. Sie stellten sich singend mit „Hallo“ vor, sangen praktisch eine Kurzfassung eines kompletten Programms und wollten nach wenigen Minuten mit „Machs gut!“ von der Bühne verschwinden. Zum Teil leicht verwirrte Zuschauer fragen sich, das soll schon alles gewesen sein? Aber nein, denn zum Glück folgte noch der fast zwei stündige „Zugaben-Block.“ In einer perfekten Choreographie bewegten sich Jan Bürger, Oliver Gies, Sebastian Schröder und Lukas Teske über die Bühne, erzählten, diskutierten, hinterfragten und sangen, sangen, sangen. Wobei singen im Grunde ein zu einfaches Wort für die Kunst ist, die Maybebob mit ihren Stimmen und ihrem Mund als Instrument beherrschen. Sie reihten einen musikalischen Leckerbissen an den nächsten, ihre Lieder waren mal sentimental, fast morbide wie die Ballade „Kleiner grau Falter“ oder Grund tief ironisch wie „Lass dir Zeit!“. Nachdenklicher als noch vor zwei Jahren wirkten die vier, als sie sich über das Sterben und den Tod unterhielten oder dem Spaß beim Cabrio-Fahren den Umwelt-Gedanken gegenüberstellten. Schier unendlich sind die Tonlagen, in denen die vier sich bewegen. Kurzzeitig schaffte es der Bassist Sebastian Schröder bis in hohe Lagen und der Countertenor in den stimmlichen Keller. Ein Höhepunkt reihte sich an dem Abend an den nächsten. So wie die bedrohlich-düstere, genial gesungene Vertonung des „Erlkönigs“, ein schaurig-schönes Medley der Comedian Harmonists oder der Percussion-Solo von Tenor Lukas Teske. Kreativer Kopf des Quartetts ist Bariton Oliver Gies. Aus den Worten Student, Klimawandel, Integrationsverweigerung, Fahrradkurier und Hoeneß schuf er auf Wunsch in kaum drei Minuten ein Lied im Stil des Minnegesangs, das die vier trotz schwerer Aufgabe bravourös meisterten. „Music“ in der A-capella-Version von Maybebob schaffte eine so verblüffende Hör-Illusion, dass sich Zuhörer immer wieder selbst sagten: nein, das sind nur Sänger, hier sind keine Instrumente, sondern nur die Stimmen der vier Ausnahme-Künstler zu hören. Die Zugabe lieferten Maybebob und die Chöre zusammen mit dem Abschlusslied „Ade zur guten Nacht“ und ganz zum Schluß schlug auch das Herz jedes Pfälzers im Saal noch höher, als Maybebob ganz unplugged vom Blatt das „Pfälzer Lied“ sang. Unter den Vielen, denen am Schluss gedankt wurde, sei hier nur die Hauptorganisatorin Miriam Breining vom Kreis-Chorverband Germersheim und als Hauptsponsor mit überdurchschnittlichem Einsatz, die VR-Bank Südpfalz zu nennen. Zum Bericht ChorPfalz2014_3_S19

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